Geschäftsklima Textilservice-Branche
Der DTV erfasst zwei Mal im Jahr die aktuelle wirtschaftliche Stimmung in der Textilservice-Branche. Die Umfrage ist dabei sowohl an Textilservicebetriebe, Wäschereien, Reinigungen als auch Mischbetriebe adressiert. Auch bezüglich der Unternehmensgröße wird Wert daraufgelegt, dass sowohl kleine als auch große Unternehmen an der Umfrage teilnehmen.
An der aktuellen Umfrage im Winter 2025/26 haben insgesamt 78 Unternehmen teilgenommen. Hierbei handelte es sich um Vertreter aller oben genannten Geschäftsbereiche. Die Mitarbeiterzahl der befragten Betriebe reichte dabei von unter 9 bis über 1.000 Beschäftigte. Der Kundenstamm der Unternehmen umfasst sowohl private, gewerbliche, als auch öffentliche Kunden. Die erhobenen Daten liefern somit einen umfassenden Überblick über das aktuelle Geschäftsklima der Branche.
Umsatz- und Gewinnentwicklung
Die aktuelle Geschäftsklimaumfrage zeigt, dass sich die wirtschaftliche Stimmung innerhalb der Branche weiter abkühlt. Während nach dem Abebben der Corona-Pandemie zunächst eine deutliche Aufbruchsstimmung zu beobachten war, wird die wirtschaftliche Lage inzwischen deutlich zurückhaltender bewertet.
So wird die Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr 2025 bereits zum zweiten Mal in Folge nicht mehr überwiegend als gut oder sehr gut bewertet. Den größten Anteil machen mit 37 Prozent nun jene Unternehmen aus, die die Entwicklung als ausgeglichen einschätzen. Demgegenüber bewerten 32 Prozent der Betriebe die Umsatzentwicklung als sehr gut oder gut, während 31 Prozent sie als leicht negativ oder schlecht einordnen.
Ein Blick auf die einzelnen Branchenzweige zeigt, dass sich die Stimmung innerhalb der Branche unterschiedlich darstellt. So schätzen 33 Prozent der Textilservicebetriebe, 35 Prozent der Mischbetriebe und lediglich 13 Prozent der Reinigungen ihre Umsatzentwicklung als „sehr gut“ oder „gut“ ein. Auffällig ist insbesondere der deutliche Rückgang bei den Reinigungen. Dieser Wert ist jedoch auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass der Anteil der reinen Reinigungen unter den teilnehmenden Unternehmen vergleichsweise gering ist. Daher kann das Ergebnis nur eingeschränkt als repräsentativ für das gesamte Segment gelten. Gleichzeitig zeigt sich, dass in allen Segmenten die Bewertung „ausgeglichen“ den größten Anteil bei der Einschätzung der Umsatzentwicklung einnimmt.
Eine weitere Erklärung für die vergleichsweise verhaltene Stimmung bei den Reinigungen könnten veränderte Modegewohnheiten, die hohe Inflation der vergangenen Jahre sowie die allgemeine Kostensteigerung – etwa bei Mietpreisen und Lebensmitteln – sein. Konsumentinnen und Konsumenten müssen einen größeren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Grundbedürfnisse aufwenden, sodass weniger finanzielle Mittel für andere Güter und Dienstleistungen, wie beispielsweise die Pflege privater Bekleidung, zur Verfügung stehen. Gleichzeitig leiden Reinigungsbetriebe besonders unter den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Mietkosten, insbesondere in den Innenstädten deutscher Metropolen.
Die prognostizierte Umsatzentwicklung für das erste Halbjahr 2026 fällt nochmals verhaltener aus. Dabei handelt es sich um eine Premiere: Erstmals fällt die Prognose insgesamt negativer aus als die aktuelle Bewertung der Lage.
Angesichts der weiterhin angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation in Deutschland, der nach wie vor sehr hohen Kosten in der Branche sowie aktueller geopolitischer Entwicklungen überrascht diese zurückhaltende Prognose nicht.
Die Erwartung eines schwächeren ersten Halbjahres 2026 spiegelt sich auch in der Bewertung und Prognose der Gewinnentwicklung wider.
Während die Gewinnentwicklung im zweiten Halbjahr 2025 noch von 39 Prozent der Textilservicebetriebe, 18 Prozent der Mischbetriebe sowie 25 Prozent der Reinigungsbetriebe als „sehr gut“ oder „gut“ bewertet wird, fallen die Prognosen für das erste Halbjahr 2026 insgesamt negativer aus. Für diesen Zeitraum erwarten 24 Prozent der Textilservicebetriebe, 28 Prozent der Mischbetriebe sowie 25 Prozent der Reinigungen eine „sehr gute“ oder „gute“ Gewinnentwicklung.
Vergleicht man die Bewertung und Prognose der Gewinnentwicklung mit jenen der Umsatzentwicklung, wird deutlich, dass die Branche nicht davon ausgeht, dass steigende Umsätze im gleichen Verhältnis zu steigenden Gewinnen führen werden. Dieser Trend zeigte sich bereits in den vergangenen Geschäftsklimaumfragen. Das Umsatzwachstum dürfte daher voraussichtlich vor allem zur Begleichung steigender Kosten sowie zur Deckung des zunehmenden bürokratischen Aufwands verwendet werden. Gleichzeitig liegen die Erwartungen an die Gewinnentwicklung deutlich unter denen der vorherigen Umfragen. Auch hierin spiegelt sich das derzeit eher kühle Geschäftsklima der Branche wider.
Personalmangel, steigende Kosten und Bürokratie weiterhin zentrale Herausforderungen
Laut der aktuellen Geschäftsklimaumfrage stellen steigende Kosten und eine zunehmende Bürokratie derzeit die größten Herausforderungen für die Unternehmen dar. Darüber hinaus werden auch politische Unsicherheiten sowie der Fachkräftemangel als zentrale Belastungsfaktoren genannt. Im Vergleich zur letzten Umfrage hat sich diese Einschätzung nicht verändert. Gleichzeitig berichten die Unternehmen von einem steigenden Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche.
Die angespannte Personalsituation in der Branche bleibt weiterhin deutlich erkennbar: 60 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen in den kommenden Monaten keine Entspannung der Personalsituation.
Während noch 29 Prozent der Textilservicebetriebe, 43 Prozent der Mischbetriebe und 50 Prozent der Reinigungen im zweiten Halbjahr 2025 das Verhältnis zwischen Mitarbeiterzu- und -abgängen als „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten, fallen die Prognosen für das kommende Halbjahr insgesamt schlechter aus. Während die Erwartungen bei den Reinigungen unverändert bleiben und bei den Textilservicebetrieben lediglich um einen Prozentpunkt sinken, gehen sie bei den Mischbetrieben deutlich zurück. Dort fällt der Anteil der positiven Einschätzungen um 18 Prozentpunkte. Mit Blick auf Personalthemen werden vor allem steigende Lohnkosten und alternde Belegschaft als die größten Herausforderungen genannt.
Die starken Kostensteigerungen sowie tarifbedingte Lohnzuwächse im Jahr 2025 erhöhen den Kostendruck auf die Branche zusätzlich. Da die Personalkosten – je nach Betriebsart und Produktportfolio – zwischen 45 und 60 Prozent der Gesamtkosten ausmachen können, fällt diese Entwicklung besonders stark ins Gewicht. Der Kostenindex für den Textilservice stieg von 102 Punkten Ende 2021 auf 131,2 Punkte im Januar 2026. Der Kostenanstieg von über 31 Prozent innerhalb von vier Jahren stellt die höchste Steigerung seit Einführung des Kostenindex dar (Weitere Informationen zum Kostenindex finden Sie hier). Diese Entwicklung spiegelt sich auch deutlich in der Geschäftsklimaumfrage des DTV wider.
Knapp 60 Prozent der Betriebe gaben an, von höheren Einkaufspreisen für Textilien betroffen zu sein, während 46 Prozent berichteten, von steigenden Preisen für Wasch- und Lösemittel betroffen zu sein. Von höheren Gaspreisen berichteten 24 Prozent der Befragten. Für das erste Halbjahr 2026 erwartet die Branche einen stärkeren Preisanstieg bei Gas sowie bei Wasch- und Lösemitteln, während der Anstieg der Textilpreise deutlich geringer erwartet wird.
Prognosen zur Unternehmensentwicklung im 1. Halbjahr 2026
Rund 26 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 positiv entwickeln werden. Zum Vergleich: Bei der Prognose in der letzten Umfrage für das zweite Halbjahr 2025 gingen noch 42 Prozent der Unternehmen von einer positiven Umsatzentwicklung aus. Dies zeigt, dass der Zukunftsoptimismus in der Branche im Vergleich zu früheren Umfragen deutlich nachgelassen hat.
Eine positive betriebliche Auslastung erwarten derzeit lediglich 20 Prozent der Unternehmen. Bei der Prognose in der letzten Umfrage lag dieser Wert noch bei 41 Prozent. Die aktuellen Erwartungen fallen damit deutlich verhaltener aus als in der Sommerumfrage 2025. Auch im Vergleich zu früheren Umfragen wird eine klare Abkühlung sichtbar: In der Vergangenheit lagen beide Werte in der Regel noch über 50 Prozent. Insgesamt scheint die Branche damit deutlich vorsichtiger in die Zukunft zu blicken.
Entsprechend verhalten fällt auch die Prognose zum zukünftigen Investitionsniveau aus. Rund 26 Prozent der Unternehmen erwarten hier eine gute oder sehr gute Entwicklung, gegenüber 36 Prozent in der letzten Umfrage. Eine mögliche Ursache für diese Zurückhaltung bei Investitionen sind die allgemeinen Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands. Dazu zählt auch, dass die Politik verlässliche Rahmenbedingungen für zukünftige Energieträger sowie klare Nutzungszeiträume schaffen muss. Diese müssen einerseits praxisnahe Zeiträume für einen Wechsel zu alternativen Energieträgern ermöglichen und gleichzeitig ausreichend Zeit lassen, damit entsprechende technologische Innovationen entwickelt werden können.
Aufgrund der steigenden Kosten gehen die Unternehmen zudem davon aus, dass wachsende Umsätze weiterhin nicht im gleichen Umfang in Gewinne umgewandelt werden können. Dadurch steht weniger Kapital für nicht unmittelbar notwendige Investitionen zur Verfügung. Hinzu kommen weiterhin hohe Finanzierungskosten. Zwar ist in den vergangenen Monaten eine gewisse Entspannung zu beobachten, dennoch erreichte der Finanzierungskostenindex im DTV-Kostenindex Ende Januar 2026 noch immer einen Wert von 258,3 Punkten. Damit liegen die Finanzierungskosten aktuell weiterhin mehr als zweieinhalbmal so hoch wie noch im Jahr 2021.
Ausblick
Die anhaltend hohen Kosten sowie der sich zuspitzende Fachkräftemangel bleiben zentrale Herausforderungen für die Branche. Zusätzlich binden immer neue bürokratische Anforderungen weitere Ressourcen in den Unternehmen. Dadurch wird ein positiver Blick in die Zukunft für viele Betriebe zunehmend schwieriger. Mittel- und langfristig bestehen jedoch weiterhin gute Wachstumschancen für alle Branchensegmente. Neue Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle könnten künftig zu einer positiven Entwicklung des Geschäftsklimas beitragen. Diese Chancen ergeben sich insbesondere aus anhaltenden Nachhaltigkeitstrends.
Ein mögliches neues Geschäftsfeld könnte beispielsweise die Versorgung mit und Reinigung von Wäsche im Bereich der ambulanten Pflege sein. Die Bruttowertschöpfung ambulanter Pflegeeinrichtungen in Deutschland wuchs zwischen 2013 und 2022 durchschnittlich um 8,7 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2022 betrug sie insgesamt 25,3 Milliarden Euro (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Aufgrund der demografischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass dieser Bereich auch künftig weiter wachsen wird. Daraus ergeben sich insbesondere für lokale und regionale Textilservice-Anbieter neue Geschäftschancen. Weitere Details zum Potenzial dieses Marktes finden Sie in der DTV-Publikation HEALTH AND CARE TEXTILE 2035.
Auch der von der Europäischen Union geplante digitale Produktpass könnte zu einer Verbesserung des Branchenimages beitragen. Ziel dieses Instruments ist es, den ökologischen Fußabdruck von Produkten für Verbraucherinnen und Verbraucher transparenter zu machen. Der Textilservice mit seinem etablierten Kreislaufwirtschaftsmodell, seiner materialschonenden Textilpflege sowie umfangreichen Reparaturdienstleistungen könnte von dieser Transparenz profitieren.
Darüber hinaus kann die Branche auch im Bereich der öffentlichen Beschaffung von Nachhaltigkeitstrends profitieren. Unter dem Begriff „Green Public Procurement“ soll die öffentliche Beschaffung künftig stärker an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet werden. Insbesondere Textilservice-Anbieter verfügen über Dienstleistungen, die im Rahmen dieser Initiative neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen können. Dabei profitiert die Branche unter anderem von einem besseren CO₂-Fußabdruck ihrer Dienstleistungen im Vergleich zu Einwegprodukten, beispielsweise im Gesundheitsbereich.
Auch die Transformation von einer linearen Wirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft bietet der Branche langfristig großes Potenzial. In diesem Zusammenhang gewinnt auch das Thema Textilrecycling europaweit zunehmend an Bedeutung. Hier könnten künftig innovative Geschäftsmodelle entstehen. Insbesondere die hohe Sortenreinheit der in der Branche anfallenden Alttextilien macht diese für Sortierer und Recycler besonders attraktiv. Allerdings bleibt abzuwarten, welchen Einfluss die geplante Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien auf die weitere Entwicklung des Textilrecyclings haben wird.
Mit Blick auf Nachweispflichten zeichnet sich zudem aktuell ein politischer Umschwung ab. Dies könnte in den kommenden Jahren dazu führen, dass der bürokratische Aufwand für Unternehmen spürbar reduziert wird und wieder mehr Ressourcen für den eigentlichen Geschäftsbetrieb zur Verfügung stehen.
Weitere Informationen zum Geschäftsklima
Detailliertere Informationen und Daten zur Geschäftsklimaumfrage liegen vor und können auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Ihr Ansprechpartner aus der Geschäftsstelle ist Herr Stefan Cieslak. Kontaktieren Sie ihn sehr gerne unter cieslak@dtv-deutschland.org
Die nächste Umfrage wird im Sommer 2026 durchgeführt und die Ergebnisse wie gewohnt im Anschluss hier auf unserer Webseite veröffentlicht.

